Meister Der Abstrakten Gestik

Meister Der Abstrakten Gestik

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Er ist der letzte lebende Maler des deutschen Informel. 97 Jahre alt ist Karl Otto Gtz, K. O. Gtz genannt. Seine Bilder sind weltweit in groen Museen

vertreten, von Berlin ber London bis nach Seattle.

Gtz war, seit er nach dem zweiten Weltkrieg auf Toilettenpapier malte und dann in besseren Zeiten auf Leinwand umstieg, ungemein produktiv, er malte,

zeichnete, schrieb. Wie viele Gemlde, Aquarelle, Gouachen, Zeichnungen, druckgrafische Bltter, ab 1995 auch Keramiken, er wirklich geschaffen hat, wird

erst der Werkkatalog zeigen, den die Stiftung Informelle Kunst in Darmstadt derzeit erarbeitet. Zum 100. Geburtstag des Knstlers Ende 2013 soll er

erscheinen.
K. O. Gtz gehrt zu den deutschen Informellen der ersten Stunde und steht fr die gestische, automatistische Variante dieser ersten Nachkriegsavantgarde.

"hnlich wie Peter Brning oderFred Thieler hebt er sich von materialstarken Positionen wie Emil Schumacher oder Karl Fred Dahmen ab. Gemeinsam war ihnen

allen jedoch, dass sie sich gegen die khle Geometrie der Bauhaus-Erben stellten. Gtz hat der anti-formalistischen Malerei zeitlebens die Treue gehalten,

whrend um ihn herum bald Zero, Pop-Art, Op-Art, Minimal Art, Konzeptkunst oder Neuer Realismus den Ton angaben. Als Professor fr Malerei an der

Dsseldorfer Kunstakademie war er der Vater einer erfolgreichen Knstler-Generation:Gotthard Graubner, Friedemann Hahn, Sigmar Polke und Gerhard Richter

zhlen zu seinen prominentesten Schlern.
Geboren wurde K. O. Gtz 1914 in Aachen als Sohn eines Textilingenieurs. Schon frh malte und zeichnete er mit Begeisterung. Er besuchte die Hhere

Webeschule in Aachen und zugleich die Kunstgewerbeschule. Gegen den strikten Willen seiner Eltern entschied er sich fr eine Knstlerkarriere. Auf einer

Italienreise 1934 entstanden die ersten Pastelle und Gouachen mit surrealistischem Einschlag. In einem Fabrikraum in Aachen richtete sich der Autodidakt ein

Atelier ein und experimentierte: "Ich stellte Schablonen ungegenstndlicher Formen her, spritzte mit der Fixierspritze, verdnnte Anilin oder Aquarellfarbe

darber und komponierte Figurationen hinein, die an Menschen, Tiere oder Phantasiegebilde erinnerten", schrieb er rckblickend nieder. Diese Arbeiten

prsentierte er ein Jahr spter gemeinsam mit seinem Kollegen Erich Mller-Kraus in einem Schaufenster eines ehemaligen Versandhauses in Aachen, was ihm ein

Mal- und Ausstellungsverbot der Reichskulturkammer einbrachte. Doch K. O. Gtz machte weiter. Aquarellfarbe spritzte er nun durch Ste aus der Luftpumpe auf

das Papier. In Dresden, wo er zum Nachrichtenoffizier ausgebildet wurde, befreundete er sich mit Otto Dix und Edmund Kesting. Der Kunstkritiker Will Grohmann

stellte ihm den Kontakt zu Willi Baumeister her. Bevor er im Zweiten Weltkrieg in Norwegen stationiert wurde, studierte er noch ein Semester an der Akademie

der Bildenden Knste in Dresden.
1947 stellte K. O. Gtz zusammen mit Hans Hartung in der Pariser Galerie des Deux-Iles aus. Karel Appel,Constant und Corneille waren von seinen

surrealistischen Bildern so begeistert, dass sie ihn einluden, Mitglied ihrer "COBRA"-Gruppe zu werden: 1949 nahm Gtz als einziger deutscher Knstler an

ihrer legendren Ausstellung im Amsterdamer Stedelijk Museum teil. Seine schnelle Maltechnik hatte er durch Zufall beim Anrhren von Kleisterfarben fr

seinen kleinen Sohn entdeckt: "Erst Kleister aufs Papier, dann mit Gouache schnell hineingearbeitet, dann mit dem Messer oder Rakel die Farbe aufgerissen,

dann wieder mit Gouache hinein, und fertig war das Bild", dokumentierte K. O. Gtz. "Der Schritt vom Karton (Gouache) zur Leinwand ergab sich von selbst. So

fand ich im Winter 1952/1953 jene Technik und Konzeption, die die Faktur meiner Bilder fortan bestimmen sollte.


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