Interview Harry Blain Und Graham Southern Zweiter Anlauf Claudia Seidel

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Tim Noble und Sue Webster: Turning the Seventh Corner Blain|Southern, Berlin. Vom 30. April bis 16. Juli 2011

Wo einst die Rotationsmaschinen des Tagesspiegels liefen, wird an der Potsdamer Strae zuknftig die Galerie Blain|Southern ihre Knstler auf einer Grundflche von etwa 1.300 Quadratmetern prsentieren. Harry Blain und Graham Southern sind im zeitgenssischen Kunstmarkt keine Unbekannten, ihre Netzwerke reichen um die Welt. Die beiden Briten grndeten 2002 in London ihre erste gemeinsame Galerie Haunch of Venison, die sie fnf Jahre spter an das Auktionshaus Christies veruerten. Im gleichen Jahr erffneten sie die Berliner Dependance in der Heidestrae, zwischendurch betrieben sie fr ein paar Jahre eine Zrcher Filiale. Mit dem Verkauf der Galerie an das Auktionshaus war Blain und Southern ein finanzieller Coup gelungen, das Renommee der beiden entpuppte sich damit jedoch als zweifelhaft. Auf den wichtigen Messen war Haunch of Venison erst einmal nicht mehr vertreten, obgleich die Knstlerliste fr manchen Sammler durchaus nicht uninteressant war: Mit Rachel Whiteread, Diana Thater, Richard Long, Bill Viola, Jorge Pardo, Keith Tyson, Mat Collishaw, Anton Henning, Zhang Huan, Michael Joo und last but not least Damien Hirst hatten sie sich gleich mehrere groe Marktschlager ins Boot geholt, die allerdings wohl kaum der idealistische Pioniergeist der Galeristen, sondern eher ihr Spabudget angezogen haben drfte. Und so zhlte der Evening Standard letztes Jahr Blain und Southern zu den einflussreichsten People in London, und auch Art + Auction listete sie im Dezember 2010 unter den wichtigsten Hundert der Kunstwelt was auch immer das heien mag. Vielleicht zumindest so viel, als dass ihr Einfluss im Secondary Market verdient und am Ende mit barer Mnze aufgewogen wird.

Wie gekonnt Blain und Southern das Kunstmarktparkett beherrschen, zeigt auch die Tatsache, dass sie sich im August 2010 als Geschftsfhrer von Haunch of Venison zurckzogen und schon einen Monat spter in London eine neue Galerie erffneten unter anderem mit Knstlern, die sie bis dahin in teils gigantomanischen Einmal-Shows bei Haunch of Venison gezeigt hatten, wie Anton Henning, Bill Viola und Jonas Burgert, die nun zu den bisher acht gelisteten Knstlern im Programm von Blain|Southern gehren. Darauf, dass der Expansionsdrang der Galeristen wohl noch immer nicht ganz gestillt ist, knnte ein neues Joint Venture zwischen Harry Blain und Emmanuel Di Donna (ehemals Sothebys) deuten, die fortan in New York gemeinsam Kunst vermitteln. Und seit dem letzten Wochenende agieren die beiden auch von Berlin aus, was, nach ihren Worten, daran liegt, dass die deutsche Kapitale nun einmal eine Weltstadt sei. Das strittige Erbe von Haunch of Venison wollen Blain|Southern dabei trotzdem versuchen, endgltig hinter sich zu lassen. Zum Gallery Weekend erffneten sie mit einer Arbeit des britischen Knstlerpaars Tim Noble und Sue Webster - die auch von Gagosian vertreten werden, der praktischerweise nicht in Berlin sitzt. Ein Teil des Gebudes wird nun von Turning the Seventh Corner beherrscht, einer begehbaren temporren Architektur, die von Grabanlagen gyptischer Pharaonen inspiriert ist und in einer Kammer bei einer Schattenskulptur, einer Gabe an die Gtter endet. Doch von Grabesstimmung kann bei den Galeristen keine Rede sein. artnet hat Harry Blain und Graham Southern zum Interview getroffen.

artnet: Wie haben Sie diesen Ort gefunden und was waren die Grnde fr einen so riesigen Raum?

Harry Blain: Der Raum wir dachten anfangs berhaupt nicht an einen Riesenraum. Doch einige Galeriekollegen, die auch wussten, dass wir neue Rume suchen, riefen uns immer wieder einmal an, um uns auf diese oder jene Mglichkeit aufmerksam zu machen. So kamen wir nach Berlin und besichtigten auch dieses Gebude

Graham Southern: und letztlich landeten wir hier

Blain: Na, wir dachten zunchst an einen sympathischen kleinen Raum in Berlin, der fr uns gut zu organisieren wre. Aber man kennt es ja: Betritt man ein Gebude zum ersten Mal, ist sofort klar, ob es das gewisse Etwas hat. Und wir fanden, dass hier ein spezieller Geist herrscht. Auerdem hat der Raum eine Patina. Das waren die beiden entscheidenden Punkte fr uns. Als Tim Noble und Sue Webster zum ersten Mal den Raum besichtigten, war ihre Reaktion genau dieselbe. Also dachten wir: Warum nicht? Er ist fantastisch! Er hat so viele Optionen und bietet jede Menge Flexibilitt. Und es ist wichtig, flexibel zu sein.

Wie lange arbeiten Sie bereits mit Tim Noble und Sue Webster zusammen und was schtzen Sie an ihrer Arbeit besonders?

Blain: Diese Ausstellung ist unser erstes gemeinsames Projekt. Wir fhren unsere Galerie nun seit etwa sechs Monaten. Wir sind seit Lngerem gut mit den Knstlern befreundet und wollten sehen, was sie fr Berlin machen wrden, ob es etwas wre, das sie nirgendwo anders verwirklichen knnten. Sie besitzen ein unglaubliches Gespr fr Transformation. Ihre Arbeiten haben zudem eine spirituelle Dimension, da es in ihnen auch darum geht, sich fr Imaginationen Zeit zu nehmen und sich von alltglichen Eindrcken frei zu machen. Denken Sie nur kurz an ihre neue Arbeit, die mit dem Eintritt in einen dunklen Tunnel beginnt und die bei einer visuellen Sensation endet, die letztlich durch mumifizierte Tieren hervorgerufen wird. Jedes Tier wurde dazu einzeln in seiner Form abgenommen, dann in Silber gegossen und am Ende mit Gold berzogen. Die Arbeit steckt voller Referenzen, die teilweise nicht sofort offensichtlich sind, sich aber ber die Zeit hinweg erffnen.


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