Die Gunst Des Flschens

Die Gunst Des Flschens

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Die Anklage im Fall Sammlung Jgers, dem wohl grten aller jemals aufgedeckten Kunstflschungsflle der Nachkriegszeit, wurde in der vergangenen Woche in Kln erhoben.

Dem angeklagten, mutmalichen Flscher Wolfgang B.

drohen bis zu zehn Jahre Haft. Kein Pappenstiel, denn das Flschen von Kunst ist nach 107 UrhG (Unzulssiges Anbringen der Urheberbezeichnung), 263 (Betrug) und 267 StGB (Urkundenflschung) eine Straftat. In der ffentlichen Wahrnehmung fllt das Urteil gegenber dem Flscher dennoch oft milde aus. Vielen gilt das Kopieren und in Umlaufbringen geflschter Kunstwerke als Kavaliersdelikt, wohl auch weil die Geschichte dieses Vorganges den Menschen schon so lange begleitet wie die Kunst selber.

Die Geisteshaltung, Flschungen nicht alleine gut zu heien, sondern sogar zu bewundern, ist nmlich nicht besonders neu. Schon Phedrus schrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. anerkennende Verse ber Kunstflschungen, die zu Zeiten des Kaiser Augustus die Vorliebe fr Antiquitten befriedigen sollten. Gleich ein ganzer Abschnitt der Kunstgeschichte ist bekanntermaen dem Ideenklau gewidmet. Die Renaissance, auf Deutsch Wiedergeburt, schuf Originale auf Basis der Wiederaufnahme bereits bestehender Ideen und Schpfungen, die zum Teil ergnzt oder erweitert wurden. Den sich wohl vor allem selber so bezeichnenden Knig der Flscher Edgar Mrugalla, 1990 rechtskrftig wegen unerlaubter Verwertung urheberrechtlich geschtzter Werke zu zwei Jahren auf Bewhrung verurteilt, lud das Schleswig-Holsteinische Ministerium fr Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr 2007 gar zum Vortrag mit anschlieendem Sektempfang ein. Eine schne kleine Ausstellung mit den Subtiteln Knig der Flscher und Mehr Kunst. Mehr Wirtschaft hatte man dem Straftter mit Steuermitteln ausgerichtet. Und das alles zu einer Zeit, als man sich laut ber zunehmende Kopien guter deutscher Technologiekunst aus Asien echauffierte.

Kunstflschen ist eben etwas anderes. Wohl nur raffinierten Bankrubern und akrobatischen Juwelendieben kommt ein hnlich positives Image zu. Gleich ein ganzes Flschermuseum gibt es in Wien. In der Gunst des Publikums ganz oben steht dabei der Nachahmer des Originals, bestenfalls eines Gemldes. Flscher von Signaturen, auch davon gibt es eine Menge, von Handwerkskunst oder Antiken sind weniger beliebt, vielleicht auch weniger bekannt, weil weniger aufsehenerregend enttarnt.


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