Dem Tod Auf Der Spur

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Jrgen Kramer (19482011) kam aus Gelsenkirchen. Sein Vater gehrte zu den Arbeitern, die als Vorhut tief unter Tage mit dem

Presslufthammer neue Wege fr den Kohleabbau erkundeten eine gefhrliche, gesundheitsschdigende Aufgabe. Fr den jungen Kramer

entsprach die prekre und dstere Situation des Ruhrgebietes dem Existenzialismus eines Samuel Beckett. Die Gefahr des Verschwindens

in einem schwarzen Nichts prgte ihn nachhaltig und wurde fr ihn zu einem Forschungsfeld, das ihn sein ganzen Leben begleiten

sollte.
Irgendwann stie Kramer durch eine TV-Sendung auf Joseph Beuys und glaubte, in ihm jemanden gefunden zu haben, der den

Existenzialismus knstlerisch ins Bild setzte. Ein Missverstndnis, wie der sptere Beuys-Schler an der Dsseldorfer Kunstakademie

zwischen 1969 und 1974 feststellte und dem Beuys'schen humanitr ausgerichteten Optimismus eine tiefverwurzelte Skepsis entgegen

setzte. Diese Skepsis entfachte einen enormen Output. Es entstanden Hunderte von Papierarbeiten mit entleerten Landschaften, Grbern

oder schwarzen Lchern, darunter etwa Die Erde von 1970. Gleichzeitig produzierte er aber auch florale Motive, Bltter und Blten,

die das Faszinosum des Wachsens trotz aller negativen Prognosen beschwren.
Im Verlauf der 1970er-Jahre gab Kramer seine knstlerische Arbeit vorbergehend auf. Er publizierte die Zeitschrift Ruhrkampfund

bettigte sich gemeinsam mit seinem Studienkollegen Jrg Immendorff an agitatorischen und sozialen Projekten. Stets dabei war auch

Felix Droese, den er ermutigt hatte, an die Akademie zu gehen. Zurck zur Kunstpraxis brachte Kramer eine neue nihilistische Welle:

Punk und New Wave war Wasser auf seinen Mhlen, die sich nun umso schneller drehten. Er begann kontinuierlich zu malen und nebenbei

die Publikationsreihe Die 80er Jahre zu verlegen, die ihn international bekannt machte. Seine musikalischen Projekte gipfelten in

opus posthum, eine Performance, die er 1981 mit der Sngerin Sylvia James aufgefhrte, bei der Kramer mit Augenbinde und einer

umgeschnallten E-Gitarre bei voll aufgedrehtem Verstrker gegen eine Wand lief.
Bis in die frhen Neunzigerjahre war Schwarz die vorherrschende Farbe seiner Malerei, in der es von Geistern, Untoten und Srgen nur

so wimmelte. Doch wer eine Ausstellung mit diesen Bildern gesehen hat, konnte sich auf eine paradoxe und unheimliche Weise gestrkt

fhlen. Der Tod schien gebannt oder mit seinen eigenen Waffen geschlagen zu sein. Als Zeichen dieses Triumphs malte Kramer immer

wieder Engel, mit denen seine Abgrnde in eine bukolische Heiterkeit umkippten. Erneut trat Natur in Erscheinung: Blumen, Parks und

Genre-Szenen knden von einer Idylle, die jedoch hufig zwiespltig bleibt, wie in dem Bild Der doppelte Wahn. Irgendwann stie

Kramer durch eine TV-Sendung auf Joseph Beuys und glaubte, in ihm jemanden gefunden zu haben, der den Existenzialismus knstlerisch

ins Bild setzte. Ein Missverstndnis, wie der sptere Beuys-Schler an der Dsseldorfer Kunstakademie zwischen 1969 und 1974

feststellte und dem Beuys'schen humanitr ausgerichteten Optimismus eine tiefverwurzelte Skepsis entgegen setzte.
Die Gefhrdung schloss stets auch den Knstler selbst mit ein, dessen Nietzscheanische Heiterkeit oft mit einem schonungslosen Umgang

mit sich selbst und seinem Krper einher ging. Kramer forderte den Tod kontinuierlich heraus. In seiner Publikation Sterben

dokumentierte er eine Brief-Aktion von 1970. An seinen Professor hatte er eine Karte mit dem Satz adressiert: Lieber Herr Professor:

Werde ich sterben? Diese Frage hat das Leben nun beantwortet. Jrgen Kramer ist am 22. November im Alter von 63 Jahren unerwartet

verstorben. Im Verlauf der 1970er-Jahre gab Kramer seine knstlerische Arbeit vorbergehend auf. Er publizierte die Zeitschrift

Ruhrkampfund bettigte sich gemeinsam mit seinem Studienkollegen Jrg Immendorff an agitatorischen und sozialen Projekten.


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