David Godbold In Der Galerie Bernd Klser, Mnchen Frher War Alles Besser Evelyn Pschak

David Godbold In Der Galerie Bernd Klser, Mnchen Frher War Alles Besser Evelyn Pschak

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David Godbold: A new Austerity Galerie Klser 2, Mnchen. Vom 5. April bis 28. Mai 2011

Frher war alles besser. Wer diese Maxime unterstreichen kann, ist momentan in der Mnchner Galerie Klser 2 gut aufgehoben. Der dort gezeigte englische Knstler David Godbold (Jg. 1961) beklagt mit A New Austerity die neue Knappheit der heutigen Zeit. In nach Erpresserschreibenart mit Zeitungsschnipseln an die Galeriewand geklebten Worten wird museumspdagogisch diese austeritas als Entbehrung der idealen Daseinsweise erlutert. Wenn man jetzt nur noch wsste, auf was sich der Titel eigentlich bezieht? Vermutlich nicht auf die groformatigen, arkadischen Ideallandschaften in pastelligem Acryl, stilistisch zwischen William Turners Rhein-Aquarellen und den Mangas von Jiro Taniguchi angesiedelt. Und auch nicht auf die kleinen, schwungvoll in leuchtenden Markerfarben gesetzten Zeichnungen, die von den Altmeistern und aus der christlichen Ikonologie geborgt sein knnten wenn eben ihre schrille Farbigkeit nicht wre.

Und vor allem nicht ihre blasphemischen, sarkastischen oder im gottesfrchtigsten Falle trocken-humorigen Stze, mit denen David Godbold kunstgeschichtliche Standards konterkariert. Jeder Museumsgnger kennt das Motiv der Flucht nach gypten von Sano di Pietro, Rembrandt van Rijn oder Peter Paul Rubens. Aber Godbold zieht feine Sprechblasen in seine Zeichnung: Dont you think possibly that the glowing might blow our cover? richtet sich der berechtigte Einwand an Maria. Doch die trgt stoisch das Jesuskind weiter, den emanierenden Gloriolestrahlen zum Trotz.

In der Kreuzigungsszene einer anderen Zeichnung wird die INRI-Tafel ber dem Kreuz fr Werbezwecke angeboten. Und eine petrolblaue Piet begleitet das am unteren Bildrand gedruckte marketenderische Versprechen: Comes in all sizes and a variety of tasteful colours. Das ist bei Godbold nicht nur britischer Humor, sondern auch der Beitrag eines promovierten Kunsthistorikers zur unermdlichen Reproduktionsgeschichte unserer Kultur. Die Piet gibt es nun einmal wirklich in allen Gren und mehr oder minder geschmackvollen Farben. Warum also nicht als barocken Cartoon. Selbst der technische Bildaufbau erinnert an frhe Animationsfilme: David Godbold zeichnet auf Transparentpapier, das anschlieend auf einen wiederum gefundenen Untergrund gesetzt wird.

So beziehe er Street trash ein, erklrt der Knstler. Eine weggeworfene Einkaufsliste. Ausgemusterte Briefkpfe. Eine bar closed-Notiz. Kritzeleien. Godbolds Zeichnungen sind schmissig. Die Texte wie die Motive dem abendlndischen Allgemeingut entliehen. Dazu zhlt Godbold aber nicht nur Nietzsche, Heidegger oder Wittgenstein sondern auch Britney Spears und die Simpsons. Im Zeitalter der Knappheit muss eben alles wiederverwendet werden: Statements. Motive. Duktus. Zeichenmaterial. Seit ber einem Jahrzehnt greift David Godbold mit den Mitteln des Remarketings aus den Vollen. Und hier genau formuliert sich der Vorwurf: Bei aller sophistication gert Godbolds kunsthistorischer Kniff zur Repetition, der Knstler frnt dem Witz doch gar zu sehr. Nun denn, tun wir das auch: Das Englische bold steht fr fett gedruckt, schwungvoll und frech. Eine Kurzkritik im eigenen Namen. Da sei doch ein Kichern erlaubt.

http://www.artnet.de/magazine/david-godbold-in-der-galerie-bernd-kluser-munchen/


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